+43 1 317 67 80 | info@emdr.at

EMDR - Literatur

Überlegungen zur traumaspezifischen Diagnostik

Traumaspezifische Klinisch – Psychologische Diagnostik

Ein Beitrag von Mag. Petra Rau
Klinisch-Psychologische Diagnostik ist ein erster sinnvoller Schritt vor dem Beginn einer Psychotherapie oder Psychologischen Behandlung.

Besonders Traumafolgestörungen, die als Reaktionen auf lebensbedrohliche Ereignisse entstehen können, sind in ihrer Komplexität und Vielseitigkeit nicht leicht als solche zu erkennen, da bei diesen Erkrankungen eine hohe „Komorbiditätsrate“ (andere Krankheiten, die gemeinsam bzw. als Folge auftreten) bekannt ist. Oft werden dann diese Erkrankungen vordergründig und manchmal ausschließlich behandelt.

So können zum Beispiel Menschen, die über einen längeren Zeitraum in der Kindheit mit Gewalt, Vernachlässigung oder Abwertung konfrontiert waren, im Erwachsenenalter plötzlich unter anderem an Vergesslichkeit, Ängsten, körperlichen Beschwerden oder Depressionen erkranken.

Es ist aber auch möglich, dass einzelne lebensbedrohliche Ereignisse noch Jahre später zu Symptomen führen, so dass für die Betroffenen der Zusammenhang mit dem
Ausgangsereignis nicht zu erkennen ist.

Sogenannte „Dissoziationsanzeichen“ wie z. B. Amnesien, Vergesslichkeit oder Tagträume gehören zum typischen Bild einer komplexen traumabedingten Erkrankung und können als Schutzreaktionen verstanden werden. Auch körperliche Beschwerden, und starke Gefühle der Angst und Verzweiflung treten oft als Folge auf. Im Alltag fühlen sich die Betroffenen dadurch sehr beeinträchtigt.

Diese Symptome sollen von spezifisch dafür geschulten TraumatherapeutInnen und TraumabehandlerInnen behandelt werden, da sie sich in ihrer Komplexität, Schwere und auch „Verwobenheit“ von allen anderen psychischen Erkrankungen deutlich unterscheiden. Um diese spezielle Arbeit noch fokussierter angehen zu können, ist oftmals die gezielte und auf neuesten diagnostischen Erkenntnissen beruhende klinisch-psychologische Differentialdiagnostik eine optimale Unterstützung.

Klinische PsychologInnen nehmen sich im Rahmen der Untersuchung einige Stunden Zeit um behutsam und mit geeigneten Methoden herauszufinden, ob eine Traumafolgestörung vorliegt oder eine andere Erkrankung im Vordergrund steht. So kann z.B. Vergesslichkeit als dissoziatives Symptom zu verstehen sein oder im Zusammenhang mit einer Depression oder hirnorganischen Erkrankung auftreten. Auch hinter Suchterkrankungen verbirgt sich oft ein Trauma.

In der Regel führt die klinisch – Psychologische Diagnostik für die Betroffenen zu einem besseren Verständnis der eigenen Beschwerden. Die Behandlungsmotivation kann dadurch verbessert werden und dies ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg.

Das Ergebnis der Psychologischen Diagnostik mündet in einen schriftlichen Befund und bildet eine wichtige Voraussetzung um die geeignete Behandlungsmethode auszuwählen. Besonders in Zusammenhang mit Traumafolgeerkrankungen, die nicht als solche erkannt werden, kommt es immer noch oft zu Behandlungsfehlern. Eine spezifische Traumabehandlung und Traumatherapie führt demgegenüber in der Regel zu guten Behandlungserfolgen und zu einer deutlichen Verbesserung der oft jahrelang massiv beeinträchtigten Lebensqualität der Betroffenen. Auch für behandelnde TraumatherapeutInnen ist es sinnvoll, eine ausführliche Differentialdiagnostik zusätzlich zur eigenen Diagnostik erstellen zu lassen, um den optimalen Einstieg in diese spezifische und komplexe Behandlungsform im Sinne der Patienten zu finden.

Die Psychologische Diagnostik wird als Kassenleistung bei den VertragspsychologInnen angeboten, die auf einer Liste eingetragen sind (Link siehe unten).

Eine vollständige Kostenübernahme ist bei Gebietskrankenkassen, Betriebskassen und KFA gegeben. BVA, SVA und Bauernversicherung haben 20% Selbstbehalt. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist die Überweisung durch die behandelnden PsychotherapeutInnen oder ÄrztInnen.

Die Liste der VertragspsychologInnen ist zu finden auf der Homepagewww.psychnet.at unter:

- erweiterte Suche
- Liste
- vertraglich geregelte Listen
- Vertragspsychologen Diagnostik